Vor einigen Tagen traten wir mit unseren Familien eine der wichtigsten Reisen an – Richtung: Barcelona, Spanien. Als Gründer und Leiter des RehaZentrums Malovec habe ich in unserer Arbeit schon vieles gesehen und erlebt. Aber das, was in der dortigen Klinik geschah, übertraf alles.
Ich hatte die Ehre und die große Verantwortung, (mit ordnungsgemäßer Genehmigung) direkt im Operationssaal zu sein, wo der weltbekannte Dr. Nazarov operierte. Bei der Operation unserer Klienten – unserer Kinder – dabei zu sein, war ein starkes Erlebnis. Und der stärkste Moment? Als ich mit meinen eigenen Händen buchstäblich spürte, wie sich diese harte, unerbittliche Spastik unter meinen Fingern löste.
Das Gefühl, wenn ein Muskel, der den Kinderkörper jahrelang „gefangen“ hielt und die physiologische Bewegung bremste, plötzlich unter den Händen des Chirurgen nachgibt und weich wird… das lässt sich nicht in einem Absatz beschreiben. Es ist ein Moment, in dem man pure Hoffnung sieht – und gleichzeitig einen riesigen Raum für weitere therapeutische Arbeit.
Was ist Myotenofasziotomie und wie genau funktioniert sie?
Wenn Sie diesen Begriff zum ersten Mal hören, befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Die Myotenofasziotomie ist ein hochspezialisierter, minimalinvasiver mikrochirurgischer Eingriff, dessen Pionier eben Dr. Nazarov ist.
Bei infantiler Zerebralparese und anderen neurologischen Läsionen kommt es durch die Schädigung des zentralen Nervensystems zu einer pathologischen Muskelspannung. Die Muskeln und ihre bindegewebigen Hüllen (Faszien) verkürzen sich durch langfristige Spasmen, versteifen, fibrosieren und bilden strukturelle Kontrakturen. Und genau hier kommt eine genial einfache und zugleich sehr präzise Lösung ins Spiel:
Dr. Nazarov durchtrennt mit einem speziellen dünnen Skalpell perkutan (durch die Haut) sehr gezielt nur die vernarbten, verkürzten Faszienstränge, die den mechanischen „Zug“ erzeugen. Das Wichtigste: Die gesunden Muskelfasern, Blutgefäße und Nervenbahnen selbst bleiben intakt. Wir rühren nicht an dem, was funktionieren soll – wir lösen das, was seit Jahren bremst.
Warum ist Spastik unsere größte Bremse in der Rehabilitation?
Aus der Praxis weiß ich eine grundlegende Sache: Harte Spastik ist oft der Hauptgrund, warum die Rehabilitation an einem toten Punkt stecken bleibt. Es ist, als würde man gegen eine unsichtbare Wand prallen.
Spastik fixiert die Gelenke in einer pathologischen Stellung, verringert den Bewegungsumfang (ROM – Range of Motion) und hindert das Kind daran, antagonistische (gegensätzliche) Muskelgruppen zu aktivieren. Auch wenn das Kind hart arbeitet und wir Therapeuten unser Bestes geben, lässt uns der biomechanische Block nicht weiter. Langfristig drohen:
- Verschlechterung der Gelenkstellung,
- Luxationen,
- Knochendeformitäten.
Und genau hier ist die Myotenofasziotomie äußerst sinnvoll: Wenn der mechanische Zug der Kontrakturen chirurgisch entfernt wird und die Spastik nachgibt, fällt das größte Hindernis weg. Uns sind buchstäblich die Hände frei – endlich können wir in der Therapie wirklich neue, physiologischere motorische Muster aufbauen.
Wie es in der Praxis abläuft: Schritt für Schritt
Unsicherheit ist das Schlimmste für Eltern. Deshalb sage ich es einfach und konkret – das System ist klar. Der Operationstag von Dr. Nazarov ist der Dienstag, und der Standardablauf sieht so aus:
- Montag (Ankunft und Unterbringung): Wir kommen normalerweise einen Tag vor der Operation in Barcelona an. Die Familien übernachten meist in einem bewährten, barrierefreien Hotel, ca. 10 Minuten vom Krankenhaus entfernt.
- Dienstag (Operationstag): Zur genau vereinbarten Zeit kommen wir im Krankenhaus an. Die Kinder bekommen ein Zimmer und ein Spitzenteam bereitet alles Notwendige vor. Die Operation dauert etwa 1 Stunde und findet unter leichter Narkose statt.
- Kurz nach der Operation: Eine Überraschung, die ich mag – da es sich um einen minimalinvasiven Eingriff ohne große Schnitte und ohne Gips handelt, sind die Kinder nach dem Aufwachen oft sehr munter und melden sofort, dass sie hungrig sind. Am Körper sind nur kleine Einstiche, manchmal ein lokaler blauer Fleck zu sehen. Keine großen Wunden.
- Mittwoch (Heimreise): Standardmäßig verlassen die Familien das Krankenhaus am Tag nach der Operation nach der Morgenvisite. Sie planen ihren Rückflug entweder für Mittwochnachmittag oder Donnerstag.
Vier Familien, ein gemeinsames Ziel… und die Sprachbarriere? Diese Reise war eine schöne Geschichte von vier Familien. Die gegenseitige Unterstützung war stark – wir waren wie eine große Familie füreinander da. Und die Sprache? In diesen Tagen hatte ich die Ehre, für unsere Familien vom Deutschen ins Russische zu übersetzen, aber das Wichtige ist: Die Sprache ist kein Problem. Wenn Sie weder Russisch noch Spanisch sprechen, kann das Team von Dr. Nazarov einen Übersetzer organisieren.
Was uns jetzt erwartet: Die aufgeschlossene Tür zur Neuroplastizität
Mit der Operation ist es noch lange nicht vorbei. Durch das Lösen der Faszien haben wir „nur“ die Tür zu etwas Großem geöffnet: der Neuroplastizität – der Fähigkeit des Gehirns, neue Dinge zu lernen.
Jetzt ist unsere Arbeit an der Reihe: gezielte und intensive Neurorehabilitation, Vertikalisierungstraining, Aufbau aktiver Muskelkraft und das Erlernen neuer Bewegungen, die vorher einfach nicht möglich waren. Und gleichzeitig fairerweise: Das RehaZentrum Malovec ist keine Bedingung. Die Familien wählen selbst, welche Form der Rehabilitation und welches Zentrum für sie am besten geeignet ist. Wir sind hier, um zu beraten, einen Plan zu erstellen und zu helfen, den besten Weg zu finden.
Ich bin unglaublich stolz auf unsere Kinder, wie tapfer sie waren, und auf die Eltern für ihr riesiges Vertrauen. Wenn auch Sie spüren, dass die Spastik Sie in der Rehabilitation bremst, oder wenn Sie eine fachliche Einschätzung benötigen, ob dieser Eingriff für Ihr Kind geeignet ist, freuen wir uns, Sie bei uns zu sehen.
Termine für Konsultationen im Jahr 2026:
- 26. – 27. Juni 2026
- 27. – 28. November 2026
Zögern Sie nicht, sich bei uns zu melden und einen Termin zu reservieren. Wir sind für Sie da – und gemeinsam werden wir versuchen, weiterzukommen.
Martin Malovec

Kleines Lexikon für Eltern
Spastik: Erhöhte, unnatürliche Muskelspannung bei ZNS-Schädigung. Die Muskeln sind steif, „gehorchen nicht“ und bremsen die freie Bewegung. Stellen Sie sich das wie eine ständig angezogene Handbremse vor.
Faszien: Bindegewebe – die elastische „Hülle“ von Muskeln, Knochen und Organen. Bei langfristiger Spastik können sie sich verkürzen und vernarben, was die Bewegung noch mehr einschränkt.
Kontraktur: Dauerhafte Verkürzung eines Muskels, einer Sehne oder Faszie. Das Gelenk wird dann in einer falschen Position „blockiert“.
ROM (Range of Motion): Bewegungsumfang im Gelenk. Das Ziel ist es, ihn zu vergrößern, damit das Kind die größtmögliche Freiheit hat.
Neuroplastizität: Die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zu knüpfen. Wenn wir mechanische Hindernisse lösen, arbeiten wir genau mit ihr, damit das Kind die richtigen Muster lernt.
Minimalinvasiver Eingriff: Eine schonende Operation mit winzigen Einstichen. Bedeutet weniger Belastung, eine schnellere Genesung und das Fehlen eines Gipses.
Hinweis: Dieser Artikel ist informativ und ersetzt keine persönliche Konsultation mit einem Arzt. Die Eignung des Eingriffs wird von Dr. Nazarov persönlich und individuell beurteilt.






